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Expert*innengespräch: Warum brauchen wir ein Museum der Migration?

Abstract

In der hegemonialen Geschichtsschreibung kommt die Geschichte der Migration von und nach Österreich nicht würdig vor. Diese Lücke in der Geschichte hat starke Auswirkungen auf unser Verständnis von Gesellschaft und wer zu ihr gehört. Die fehlende wissenschaftliche Aufarbeitung der österreichischen Migrationsgeschichte ist ein eindeutiges Indiz dafür, warum Menschen zu anderen gemacht werden und das Zugehörigkeitsgefühl der Menschen zu Österreich nicht gefördert wird. 
Senol Grasl-Akkilic ist Politikwissenschafter und Politik-engagierter Mensch, dem die Gleichheit in der Gesellschaft am Herzen liegt. Der Kampf um die Etablierung der Migrationsgeschichte ist der Kampf um Gleichheit.

Biographie

Senol Grasl-Akkilic wurde 1965 in Pülümür in der Türkei geboren. Zuerst ging sein Vater als Arbeiter nach Wien, anschließend die Mutter. Vorerst mussten ihre drei Kinder bei den Großeltern in der Türkei bleiben bis sie sie schließlich 1979 nach Österreich holen konnten. Senol Grasl-Akkilic und seine Geschwister besuchten gemeinsam die Hauptschule besuchten in Wien, die er 1983 abschloss. Bereits während der Schulzeit engagierte er sich in der antirassistischen Szene und als er 1988-94 nach Vorarlberg ging, um in einer Fabrik zu arbeiten blieb er neben der Gründung einer Familie dem politischen Engagement treu. 1994 nach seiner Rückkehr nach Wien war er beruflich in der Jugend und Integrationsarbeit tätig wie auch in zahlreichen parteipolitischen Funktionen. Nach langen praktischen politischen Erfahrungen beschloss er schließlich sein Bachelor Studium der Politikwissenschaften (2007-20010) an der Universität Wien. Ab 2015 arbeitete er in der Wiener Bildungsakademie als Leiter des Lehrgangs »Migration&Zusammenleben«.

Im Rahmen dieses Lehrgangs erschien die wegweisende Sammelpublikation „Aspekte der österreichischen Migrationsgeschichte“ die er gemeinsam mit Marcus Schober, Regina Wonisch (Hg.) und der Wiener Bildungsakademie herausgab. Immer wieder beschäftigte ihn der Kampf um die Aufarbeitung, Aufzeichnung, Anerkennung, Dokumentation und Vermittlung der österreichischen Migrationsgeschichte.

Buchtipp

Aspekte der österreichischen Migrationsgeschichte. Hg: Senol Grasl-Akkilic, Marcus Schober, Regina Wonisch, Wien 2019, Edition Atelier.