25 Jahre Stumm & Laut / 21. – 23. August 2025

21. – 23. August 2025 / Helmut-Zilk-Park, 1100 Wien, Filmbeginn: ca. 20.00h, FREIER EINTRITT!

Ein Kooperationsprojekt von Kulturraum 10 und Volxkino.

https://www.facebook.com/p/STUMM-LAUT-Filmfest-am-Columbusplatz

Filmfest Favoriten – Stummfilme mit Live-Musik

21.8 Do 20:00h Kosmische Reise (1936), entfällt leider wegen Schlechtwetter
22.8. Fr 20:00h Alice im Wunderland (1915), vertont von: Lüften+Sterzinger
23.8. Sa 20:00h Ein Sommernachts-traum (1925), vertont von: ENFLEURAGE

Was 2000 als Experiment begann: historische (Monumental-)Stummfilme mit zeitgenössischer elektronischer Musik zu präsentieren, wurde zu einem regel­mäßigen cineastisch-musikalischem Highlight im Wiener Kultursommer. Weit über 100 Filme wurden so von mehr als 40 Musiker*innen neu interpretiert und musikalisch begleitet, jeder Filmabend war und ist somit eine einmalige Premiere.

In den 1920er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden am Areal des Laaerberges österreichische Monumental-Filme und Super-Produktionen der Stummfilmzeit realisiert. In dieser filmhistorischen Umgebung fand im Jahr 2000 die Premiere des STUMM & LAUT Filmfestivals statt. Nach zehn erfolgreichen Jahren kam das Filmfestival STUMM & LAUT im Jahr 2011 etwas näher in die Stadt und findet bereits zum 14. Mal am Columbusplatz statt.

Das Filmfest Stumm & Laut zeigt Stummfilme mit elektronischer Live-Musik Begleitung. An drei Abenden werden Stummfilmklassiker und Neuentdeckungen unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt gezeigt, die von den jeweiligen Musikerinnen und Musikern live vertont werden.

PROGRAMM

21.8. Do 20:00h   Kosmische Reise (1936) entfällt leider wegen Schlechtwetter
Sowjetunion 1936 · Regie: Wassili Schurawljow · Produktion: Mosfilm
70 Minuten · Schwarzweiß · Stummfilm

Im fiktiven Jahr 1946 arbeitet ein sowjetisches Forscherteam in Moskau an nichts Geringerem als der ersten bemannten Reise zum Mond.

22.8. Fr 20:00h Alice im Wunderland (1915)
vertont von: Lüften+Sterzinger
Regie: W. W. Young · Produktion: World Film Corporation
Darstellerin: Viola Savoy
52 Minuten · Schwarzweiß · Stummfilm 

In dieser frühen Verfilmung von Lewis Carrolls Klassiker folgt das Publikum der jungen Alice in eine Welt, in der Logik ihre Gültigkeit verliert. Ausgehend von einem traumähnlichen Einstieg gleitet Alice in das Wunderland, wo Größenverhältnisse, Zeit und Sprache außer Kraft gesetzt sind. Sie begegnet einer Abfolge ikonischer Figuren, darunter das Weiße Kaninchen, der Verrückte Hutmacher und die stets zur Raserei neigende Herzkönigin. Die Handlung ist episodisch aufgebaut und orientiert sich frei an Alice’s Adventures in Wonderland und Through the Looking-Glass. Im Mittelpunkt steht weniger eine stringente Dramaturgie als das Staunen über das Absurde. Viola Savoy verkörpert Alice mit stiller Präsenz und kindlicher Neugier, ganz im Geist des frühen Stummfilms. Die Spezialeffekte – Doppelbelichtungen, Stop-Tricks und Bühnenillusionen – waren für 1915 technisch ambitioniert. Besonders die Verwandlungen von Alices Körpergröße zählen zu den visuellen Höhepunkten.Das Wunderland erscheint als theatralischer Raum, geprägt von Kulissen, Masken und überzeichneter Gestik. Die Figuren bewegen sich zwischen Märchen, Albtraum und burlesker Groteske. Der Film setzt stark auf visuelle Fantasie statt auf psychologische Tiefe. Zwischentitel strukturieren die Handlung und ersetzen Dialoge durch knappe Textfragmente. Die Inszenierung spiegelt die Nähe des frühen Kinos zur Bühne und zum Varieté. Gleichzeitig zeigt sie, wie früh das Kino begann, literarische Fantasiewelten zu visualisieren. „Alice im Wunderland“ von 1915 ist keine kindliche Idylle, sondern ein surrealer Bilderreigen. Er wirkt heute archaisch und verspielt zugleich. Als eine der ersten abendfüllenden Alice-Verfilmungen markiert der Film einen wichtigen Punkt der Filmgeschichte. Ein frühes Beispiel dafür, wie das Kino Träume sichtbar macht.

23.8. Sa 20:00h Ein Sommernachtstraum (1925)
vertont von: ENFLEURAGE
USA 1925 · Regie: Max Reinhardt & William Dieterle
Produktion: Warner Bros.

Ca. 120 Minuten · Schwarzweiß · StummfilmDiese monumentale Stummfilmfassung von Shakespeares Komödie entführt das Publikum in eine magische Zwischenwelt aus Wald, Traum und Verwechslung. Im Mittelpunkt stehen die Liebeswirren junger Athener Paare, deren Beziehungen durch Feenkräfte aus dem Gleichgewicht geraten. Der Elfenkönig Oberon und seine Gemahlin Titania streiten um Macht und Eifersucht, während der Kobold Puck mit magischen Zaubern Chaos stiftet. Was als romantische Flucht in den Wald beginnt, verwandelt sich in eine Abfolge surrealer Verirrungen. Max Reinhardt überträgt seine legendäre Theaterinszenierung in eine radikal visuelle Filmsprache. Der Wald wird zur lebendigen Bühne, durchzogen von Nebel, Lichtspielen und überbordender Fantasie. William Dieterle sorgt für filmische Dynamik und präzise Bildkompositionen. Die Ausstattung ist opulent, märchenhaft und bewusst künstlich gestaltet. Feen, Tiere und Pflanzen verschmelzen zu einer theatralen Traumlandschaft. Die Körpersprache der Darsteller ersetzt Sprache und trägt die emotionale Erzählung. Besonders die Choreografien der Feen verleihen dem Film etwas Ritualhaftes. Der Humor entsteht aus Überzeichnung, Verwechslung und körperlicher Komik. Zugleich bleibt eine melancholische Note des Flüchtigen und Unkontrollierbaren spürbar. Der Film verzichtet auf Realismus zugunsten eines konsequent stilisierten Kosmos. Zwischentitel greifen Shakespeares Verse stark gekürzt auf. „Ein Sommernachtstraum“ erscheint hier weniger als Komödie denn als visuelle Fantasie. Die Grenze zwischen Mensch und Natur, Traum und Wirklichkeit löst sich auf. Der Film gilt als eine der ambitioniertesten Shakespeare-Adaptionen der Stummfilmzeit. Ein Werk, das Kino als Traumkunst ernst nimmt.

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